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Historie

Geschichte und Gegenwart

Von der Ruine zur architektonischen Perle

Eine Mammutaufgabe

Loft 66

Tief im Südwesten Krefelds, durch eine lange Allee vom Trubel der Stadt getrennt, gibt es einen Ort, an dem Geschichte lebendig wird. Einst 1905 als Rheinische Provinzial-Fürsorge-Erziehungs-Anstalt erbaut, erlebte der 75.000 Quadratmeter umfassende Campus Fichtenhain über mehr als zehn Dekaden immer wieder wechselnde Verwendungszwecke. Bis zu seiner Revitalisierung als Gewerbepark war das zwölf Häuser umfassende Gründerzeit-Ensemble allerdings vornehmlich ein Hort der Erziehung, Besserung und Ausbildung. Heute gastieren im Loft 66, wo bis 2013 renitenten Jugendlichen das Handwerk gelehrt wurde, gerne Vorstände weltweit agierender Großkonzerne für Offsite Meetings. Ein baukultureller Plot-Twist der Extraklasse, der selbst Experten ein Stirnrunzeln abnötigt.

Es ist noch gar nicht lange her, da wurde dem kreisförmig angeordneten Gebäudekomplex selbst von städtischer Seite ein Imageschaden attestiert. Zu präsent sei die Vornutzung als Erziehungsheim, zu braun die Vergangenheit. Tatsächlich lösen die gründerzeitlichen Backstein-Zweckbauten mit Jugendstilelementen, wie Türmchen, Fachwerk und runden Fenstern, bei einigen ambivalente Gefühle aus: Ein bisschen Hogwarts, ein bisschen Nervenheilanstalt.

Das, was sich hinter der originalgetreu wiederhergestellten Fassade offenbart, sucht in der Seidenstadt vergeblich seinesgleichen.

Die Anbindung zu Autobahn und Flughafen könnte besser kaum sein und auch die Struktur der Anlage, eingebettet in ein Naturidyll, bietet aufgrund seiner Bausubstanz perfekte Voraussetzungen für die Bedürfnisse der Kunden.

Innerhalb eines Jahres verwandelte sich die heruntergekommene Ruine in eine Perle der Architektur. Um den Charme der Jahrhundertwende zu erhalten, verzichtete man sogar auf eine Solaranlage, da diese zu schwer für die feine Stahlverästelung der Shed-Dachkonstruktion gewesen wäre. Und auch den Denkmalschutzvorgaben, die sich vor allem auf die äußere Erscheinung des Komplexes beziehen, trägt der Umbau Rechnung.

Trotz der bisweilen widrigen Umstände wurde die Vision in die Realität überführt und ein 500 Quadratmeter großes Loft, 200 Quadratmeter Büros und eine 500 Quadratmeter große Mixtur aus Garage und Fotostudio geschaffen. Die im Hof liegenden Hallen beherbergen nun 300 Quadratmeter Atelier/Lager und 300 Quadratmeter Werkstattflächen.

 

Der Campus Fichtenhain

Der Campus Fichtenhain wurde um 1905 als erste „Rheinische Provinzial-Fürsorgeerziehungsanstalt“ für schwer erziehbare Knaben konzipiert. Anfang des letzten Jahrhunderts wurden Mädchen und Jungen getrennt voneinander erzogen – entsprechend entstand parallel zur Krefelder Einrichtung in Mönchengladbach eine Erziehungsanstalt für die schwierigeren Fälle unter den Mädchen. Die Anlagen waren architektonisch und städtebaulich äußerst fortschrittlich und wurden durch eine enge Verbindung von Wohnen und Arbeiten gekennzeichnet. Die Krefelder Anstalt gliederte sich in drei Teile: die eigentliche Erziehungsanstalt, den Hauptgutshof und das Vorwerk Höffgeshof. Erstgenannte bestand aus dem Verwaltungsgebäude, den Zöglingshäusern A bis D, einer Kochküche mit Festsaal, einer Waschküche mit Badeeinrichtungen, einem Werkstattgebäude, einem Kessel- und Maschinenhaus, einem Pförtner-Wohnhaus sowie einem Lazarett. Bei dem Waschküchengebäude handelte es sich aber nicht nur um eine Art Waschsalon aus der Kaiserzeit, sondern dazu gehörte auch ein kleines Schwimmbad.

Das bis heute weitgehend noch in der Grundkonzeption erhaltene Areal macht den ursprünglich sozialpflegerischen Ansatz auf einen Blick deutlich. Meist zweigeschossige Backsteinbauten sind dabei um eine zentrale Grünfläche gruppiert. Die Gebäude zeigen die Inspiration der damaligen Baumeister. In den 30er Jahren wurde die Einrichtung vorübergehend umgewidmet. Sie wurde zunächst als Schulungslager der SA genutzt und in den Jahren kurz vor und während des Zweiten Weltkrieges zum Standort von Wehrmachtstäben bzw. der Heeresgruppe. 

1997 erwarb die Grundstücksgesellschaft der Stadt Krefeld das gesamte Areal vom Landschaftsverband Rheinland, mit dem langfristigen Ziel, es in einen Gewerbepark für Büronutzung umzufunktionieren. Die Gebäude stehen unter Denkmalschutz. Der Campus Fichtenhain wurde als Modellprojekt zur nachhaltigen Gewerbegebietsentwicklung seitens des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW ausgezeichnet. Heute ist es ein begehrter Gewerbestandort, der vor allem von kreativen Dienstleistern genutzt wird.


Vorher Nachher Meetingraum


Vorher Nachher Loft


Vorher Nachher Küche